Du hast deinen ersten Bogen online bestellt oder beim Abholen keine Einführung bekommen? Dann ist dieser Ratgeber für dich. Spannen und Entspannen ist der erste Handgriff vor jedem Training, und genau hier passieren die meisten vermeidbaren Schäden.
Warum nie ohne Spannschnur?
Viele spannen ihren Bogen noch mit Bein und Arm, etwa mit der sogenannten Durchsteigmethode. Das sieht einfach aus, ist aber riskant:
- Verdrehte Wurfarme: Die Kraft wirkt ungleichmässig auf die Wurfarme. Sie können sich dabei dauerhaft verdrehen, der Bogen schiesst dann nicht mehr sauber.
- Verletzungsgefahr: Rutscht die Sehne aus der Nocke, schnellt der Wurfarm unkontrolliert zurück. Gesicht und Hände sind in diesem Moment sehr nah dran.
- Garantie: Viele Hersteller verlangen in der Anleitung ausdrücklich eine Spannschnur. Schäden durch falsches Spannen können dann von der Garantie ausgeschlossen sein.
Die Spannschnur biegt beide Wurfarme gleichmässig, und du hast eine Hand frei, um die Sehne einzulegen.
Die zwei Bauarten
Universal-Spannschnur: Tasche und Sattel
Am einen Ende sitzt eine Ledertasche, die du über die untere Wurfarmspitze stülpst. Am anderen Ende ist ein gummiertes Sattelstück. Es liegt auf dem oberen Wurfarm, möglichst nahe an der Spitze, aber unterhalb der Sehnenschlaufe. So bleibt die Schlaufe frei und lässt sich nach oben in die Nocke schieben.
- Länge verstellbar, passt damit auf viele Recurve- und Langbögen
- Einfach zu handhaben, ideal für den Einstieg
- Der Sattel muss sauber aufliegen, sonst kann er auf schmalen Wurfarmen verrutschen
TipTip: zwei Taschen für beide Spitzen
Bei der TipTip, auch Tip-to-Tip genannt, hat jedes Ende eine Tasche. Beide werden direkt über die Wurfarmspitzen gezogen. Die Kraft greift ganz aussen an, auf der Fläche des Wurfarms liegt nichts.
- Sitzt sicher, auch dort, wo ein Sattel gerne wegrutscht
- Kein Sattel, der beim Einlegen der Sehne im Weg ist
- Die Taschen müssen zur Form deiner Wurfarmspitzen passen: Sehr kleine Spitzen sitzen eventuell locker, sehr breite gar nicht
Welche passt zu dir?
Für die meisten Einsteiger mit Recurve ist die Universal-Spannschnur die einfachste Lösung. Rutscht der Sattel an deinem Bogen immer wieder weg, etwa bei einem Langbogen mit schmalen Wurfarmen, lohnt sich eine TipTip. Im Zweifel bringst du deinen Bogen mit, dann probieren wir es zusammen aus.
Die richtige Länge einstellen
Die Universal-Spannschnur stellst du über Knoten oder Schieber auf deinen Bogen ein. Montiere beide Enden am ungespannten Bogen, stell dich mit beiden Füssen auf die Schnur und zieh den Griff nach oben. Die Wurfarme sollten sich genug biegen, bevor deine Arme ganz gestreckt sind.
- Zu lang: Du musst den Bogen sehr hoch ziehen, bevor er sich biegt. Das ist unbequem und wackelig.
- Zu kurz: Die Schnur ist schon beim Draufstehen straff, und du kannst den Bogen kaum führen.
Passt die Länge, zieh die Knoten fest.
Schritt für Schritt: Bogen spannen
- Prüfe Spannschnur und Sehne auf Risse oder ausgefranste Stellen.
- Lege die untere Sehnenschlaufe in die Nocke des unteren Wurfarms. Die obere Schlaufe schiebst du ein Stück den oberen Wurfarm hinunter.
- Stülpe die Ledertasche über die untere Spitze. Die Sehne muss dabei genau in der Nocke bleiben.
- Lege den Sattel auf den oberen Wurfarm, nahe an der Spitze und unterhalb der Sehnenschlaufe. Bei der TipTip ziehst du die zweite Tasche über die obere Spitze.
- Halte den Bogen waagrecht am Griff, die Sehnenseite zeigt zum Boden. Stell beide Füsse etwa schulterbreit auf die Schnur.
- Zieh den Griff langsam nach oben, bis sich die Wurfarme biegen.
- Schiebe mit der freien Hand die obere Schlaufe nach oben in die Nocke. Halte dein Gesicht dabei vom oberen Wurfarm weg.
- Lass langsam nach, bis die Sehne die Last übernimmt. Kontrolliere den Sitz beider Schlaufen, erst dann nimmst du die Spannschnur ab.
Schritt für Schritt: Bogen entspannen
Gleiches Vorgehen, umgekehrte Reihenfolge:
- Spannschnur montieren, Ledertasche unten, Sattel oder Tasche oben.
- Auf die Schnur stehen und den Bogen hochziehen, bis die Sehne locker wird.
- Obere Schlaufe aus der Nocke nehmen und ein Stück den Wurfarm hinunterschieben.
- Bogen langsam ablassen. Achte darauf, dass die untere Schlaufe bis zum Schluss in der Nocke bleibt.
Nach dem Spannen kontrollieren
- Beide Schlaufen in der Nocke: Oben und unten muss die Sehne auf beiden Seiten sauber in den Kerben liegen.
- Sehne mittig: Halte den Bogen vor dich und peile entlang der Sehne. Sie sollte mittig über beide Wurfarme laufen. Läuft sie deutlich schräg, entspanne den Bogen und lass ihn prüfen.
- Standhöhe: Miss mit einem Standhöhenmesser den Abstand vom tiefsten Punkt des Griffs zur Sehne. Den richtigen Bereich findest du in der Anleitung deines Bogens. Anpassen kannst du die Standhöhe am entspannten Bogen, indem du die Sehne ein- oder ausdrehst. Mehr Drehungen ergeben eine kürzere Sehne und damit eine höhere Standhöhe.
Typische Fehler
- Sattel liegt auf der Sehnenschlaufe statt darunter: Die Schlaufe lässt sich dann nicht hochschieben.
- Ledertasche nur halb übergestülpt: Sie kann beim Hochziehen abrutschen.
- Bogen beim Spannen zum Gesicht geneigt: Dreh den oberen Wurfarm immer von dir weg.
- Schlaufen nicht kontrolliert und gleich geschossen: Eine halb sitzende Sehne kann abspringen.
- Abgenutzte Spannschnur weiterverwendet: Spröde Ledertaschen oder ausgefranste Schnüre sofort ersetzen.
Die passende Spannschnur
Für den Einstieg empfehlen wir dir unsere Spannschnur Universal. Sie ist verstellbar und schnell eingerichtet. Noch unsicher? Komm bei uns in Sempach vorbei. Unser Team zeigt dir das Spannen gerne direkt an deinem eigenen Bogen.
Kurz zusammengefasst
- Recurve und Langbogen immer mit Spannschnur spannen, nie mit Bein und Arm.
- Universal-Spannschnur (Tasche und Sattel) für die meisten Bögen, TipTip (zwei Taschen) wenn der Sattel verrutscht.
- Länge einmal sauber einstellen und Knoten sichern.
- Nach dem Spannen prüfen: beide Schlaufen in der Nocke, Sehne mittig, Standhöhe korrekt.
- Gesicht immer weg vom oberen Wurfarm.